DAS EVANGELIUM AUS DER SICHT DES SPIRITISMUS

Allan Kardec

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Eigenschaften des Gebets

1. „Wenn ihr betet, seid nicht den Heuchlern ähnlich, die gern im Stehen in den Synagogen und an den Ecken der Straßen beten, damit sie von den Menschen gesehen werden. – Wahrlich, ich sage euch, dass sie schon ihren Lohn bekommen haben. – Wenn ihr beten möchtet, geht in euer Kämmerlein, schließt die Tür und betet zu eurem Vater; der im Verborgenen ist, und euer Vater, der auch das Verborgene sieht, wird euch die belohnen.


Verwendet nicht so viele Bitten bei euren Gebeten, wie es die Heiden machen, denn sie meinen, dass sie erhört werden, wenn sie viele Worte machen. Seid ihnen darin nicht gleich; denn euer Vater kennt eure Bedürfnisse, schon ehe ihr ihn darum bittet.“ (Matthäus, Kap. VI, 5-8)


2. „Wenn ihr euch zum Beten bereit macht, falls ihr etwas gegen jemanden habt, so vergebt, damit auch euer Vater im Himmel euch eure Verfehlungen vergibt. Wenn ihr aber nicht vergebt, wird auch euer Vater im Himmel eure Verfehlungen nicht vergeben.“ (Markus, Kap. XI, 25-26)


3. Er sagte aber auch zu einigen, die sich selbst für gerecht hielten und die anderen verachteten, dieses Gleichnis:


„Zwei Menschen gingen hinauf in den Tempel, um zu beten, der eine war ein Pharisäer und der andere ein Zöllner. Der Pharisäer stand vorne und betete so: , Mein Gott, ich danke DIR, dass ich nicht so bin wie die anderen Menschen, die Räuber, die Ungerechten, die Ehebrecher oder auch wie dieser Zöllner hier. Ich faste zweimal in der Woche, ich gebe den Zehnten von meinem ganzen Einkommen.‘


Der Zöllner stand abseits und wagte nicht einmal seine Augen zum Himmel zu erheben, sondern schlug sich an seine Brust und sprach: ‚Mein Gott, sei gnädig mit mir, denn ich bin ein Sünder.‘


Ich sage euch, dass dieser gerechtfertigt in sein Haus zurückging, und nicht der andere; denn jeder, der sich selbst erhöht, wird erniedrigt werden und wer sich aber selbst erniedrigt, wird erhöht werden.“ (Lukas, Kap, XVIII, V. 9-14)


4. Jesus hat ganz klar die Eigenschaften des Gebets definiert. Wenn ihr betet, sagte ER, stellt euch nicht zur Schau, sondern betet im Verborgenen. Täuscht nicht vor, viel zu beten, denn ihr werdet nicht wegen der Vielfältigkeit der Worte erhört, sondern wegen ihrer Ehrlichkeit. Bevor ihr betet, wenn ihr irgendetwas gegen jemanden habt, vergebt ihm, denn das Gebet kann Gott nicht gefallen, wenn es nicht aus einem Herzen hervorgeht, das von allen Gefühlen gereinigt ist, die der Nächstenliebe widrig sind. Betet also demütig wie der Zöllner und nicht hochmütig wie der Pharisäer. Prüft eure Fehler und nicht eure Tugenden; und wenn ihr euch mit den anderen vergleicht, sucht, was in euch Böses ist. (Siehe Kap. X, Nr. 7 und 8)