DAS EVANGELIUM AUS DER SICHT DES SPIRITISMUS

Allan Kardec

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7. Wenn wir diese Worte wortwörtlich nehmen würden, würden sie die Verneinung aller Vorsorge und aller Arbeit und folglich allen Fortschritts bedeuten. Gemäß diesem Prinzip würde der Mensch sich auf eine abwartende Passivität reduzieren. Seine physischen und intellektuellen Kräfte würden ungenutzt bleiben. Wenn dies sein normaler Zustand auf Erden gewesen wäre, hätte er nie aus diesem primitiven Zustand herausfinden können, und wenn er sein heutiges Gesetz danach gestaltet hätte, brauchte er nur noch zu leben, ohne etwas zu tun. Das aber kann nicht der Gedanke Jesu gewesen sein, denn das wäre ein Widerspruch zu allem, was Er anderswo gesagt hat, wie auch hinsichtlich der Naturgesetze. Gott schuf den Mensch ohne Kleidung und ohne Haus, gab ihm aber die Intelligenz, sich dies zu schaffen. (Siehe Kap. XIV, Nr. 6, und Kap. XXV, Nr. 2).


Man muss daher in diesen Worten nichts anderes als eine symbolische poetische Allegorie der Vorsehung sehen, die niemals diejenigen im Stich lässt, die ihr vertrauen, die aber möchte, dass sich die Menschen ihrerseits etwas erarbeiten. Wenn sie auch nicht immer mit materieller Unterstützung zu Hilfe kommt, inspiriert sie die Ideen, mit denen man die Wege findet, von alleine aus diesen Schwierigkeiten herauszukommen. (Siehe Kap. XXVII, Abs. 8).


Gott kennt unsere Bedürfnisse, und ER sorgt für sie vor, je nachdem wie nötig sie sind. Der Mensch aber, der unersättlich in seinen Wünschen ist, gibt sich nie zufrieden mit dem, was er hat. Das Notwendige genügt ihm nicht, er braucht auch das Überflüssige. Die Vorsehung überlässt ihn dann sich selber. Oft wird er durch seine eigene Schuld unglücklich, und weil er die warnende Stimme seines Gewissens missachtet hat, lässt Gott ihn unter den Konsequenzen leiden, damit ihm dies eine Lehre für die Zukunft sei.