DAS EVANGELIUM AUS DER SICHT DES SPIRITISMUS

Allan Kardec

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Bestimmung der Erde. Ursachen des menschlichen Elends

6. Man wundert sich, dass es auf der Erde so viel Bosheit und niedrige Leidenschaften, so viel Elend und Krankheiten aller Arten gibt; und daraus schließt man, dass die menschliche Gattung ein schmerzliches Dasein führt. Dieses Urteil stammt aus dem beengten Gesichtsfeld, in dem man sich befindet und somit zu einer falschen Vorstellung von der Gesamtheit führt. Man sollte bedenken, dass sich nicht die gesamte Menschheit auf der Erde befindet, sondern nur ein kleiner Bruchteil der Menschheit. Die menschliche Gattung umfasst alle Wesen, die mit Verstand begabt sind, die die unzähligen Welten des Universums bevölkern. Nun, was ist die Bevölkerung der Erde angesichts der gesamten Bevölkerung dieser Welten? Viel weniger als die eines Dorfes im Vergleich zu einem großen Imperium. Die materielle und moralische Lage der irdischen Menschheit hat nichts Erstaunliches, wenn man die Bestimmung der Erde und die Natur von denjenigen, die sie bewohnen, in Betracht zieht.



7. Man würde sich von den Bewohnern einer großen Stadt eine falsche Vorstellung machen, wenn man sie anhand der niedrigsten und widerlichsten Wohnviertel beurteilen würde. In einem Krankenhaus sieht man nichts anderes als Kranke und Verstümmelte; in einem Gefängnis sieht man alle Schändlichkeiten und Laster; in den ungesunden Regionen ist die Mehrheit der Bewohner blass, dünn und kränklich. Also, wenn man sich die Erde wie einen Vorort, ein Gefängnis, einen ungesunden Ort vorstellt - und sie ist dies alles gleichzeitig -, dann wird man verstehen, warum der Kummer die Freude übertrifft, da man ja gesunde Menschen nicht ins Krankenhaus schickt und auch nicht diejenigen in eine Besserungsanstalt, die nichts Böses getan haben. Denn weder die Krankenhäuser noch die Besserungsanstalten sind Orte der Wonne.


Also, so wie sich die ganze Bevölkerung einer Stadt nicht in Krankenhäusern oder in Gefängnissen befindet, genauso ist die gesamte Menschheit nicht auf der Erde anzutreffen. Und so wie diejenigen, die geheilt das Krankenhaus und diejenigen, die nach Verbüßen ihrer Strafe das Gefängnis verlassen, so verlässt der Mensch die Erde, wenn er von seinen moralischen Krankheiten geheilt ist.