DAS EVANGELIUM AUS DER SICHT DES SPIRITISMUS

Allan Kardec

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2. Autorität der Spiritistischen Lehre

Universelle Kontrolle der Lehre der Geister



Wenn die spiritistische Lehre ausschließlich eine menschliche Anschauung wäre, hätte sie als Garantie nur die Kenntnisse desjenigen, der sie verfasst hat. Nun, niemand auf dieser Welt könnte den Anspruch erheben, allein die unumschränkte Wahrheit zu besitzen. Wenn die Geister, die sie offenbart haben, sich nur einem Menschen gegenüber kundgetan hätten, würde nichts ihre Herkunft garantieren, denn es wäre notwendig, dem Wort desjenigen Glauben zu schenken, der behauptet, von ihnen die Lehren erhalten zu haben. Erkennt man seinerseits absolute Aufrichtigkeit an, könnte er bestenfalls die Menschen in seinem Umfeld überzeugen. Er könnte Anhänger finden, aber es würde ihm niemals gelingen, alle zu vereinigen.



Gott wollte, dass die neue Offenbarung an alle Menschen durch einen schnelleren und glaubwürdigeren Weg herangetragen wird; deshalb hat ER den Geistern befohlen, diese von einem Pol zum anderen zu bringen, sich überall zu offenbaren, ohne jemandem das ausschließliche Privileg zu geben, ihr Wort zu hören. Ein Mensch kann getäuscht werden und er kann sich selbst täuschen, aber es wäre nicht so, wenn Millionen das Gleiche sähen und hörten: Dies ist für jeden einzelnen und für alle eine Garantie. Außerdem kann man einen Menschen verschwinden lassen, aber man kann keine Menschenmassen verschwinden lassen. Man kann die Bücher verbrennen, aber man kann nicht die Geister verbrennen. Würde man alle Bücher verbrennen, die Quelle der Lehre wäre nicht weniger unerschöpflich, weil sie sich nicht auf der Erde befindet. Sie taucht überall auf, und jeder kann daraus schöpfen. Wenn es an Menschen fehlen würde, um sie zu verbreiten, wird es immer Geister geben, die alle erreichen, die aber selbst von niemandem erreicht werden können.



In Wirklichkeit sind es die Geister selbst, die eigentlich den Spiritismus verbreiten mit Hilfe von unzähligen Medien, mit denen sie von allen Seiten Kontakt aufnehmen. Wenn es nur einen einzigen Vermittler gegeben hätte, so sehr dieser auch privilegiert gewesen wäre, wäre der Spiritismus kaum bekannt. Dieser Vermittler seinerseits, egal welcher Klasse er auch angehört hätte, hätte die Vorurteile vieler Menschen hervorgerufen. Er wäre nicht von allen Nationen anerkannt worden; während die Geister, die überall, allen Völkern, allen Religionen und allen Parteien Mitteilungen geben, von allen angenommen werden. Der Spiritismus hat keine Nationalität; ist von allen besonderen Glaubensrichtungen unabhängig und er ist von keiner sozialen Gesellschaftsschicht aufgezwungen, da ja jeder Mitteilungen von seinen Angehörigen und Freunden aus dem Jenseits erhalten kann. Es war nötig, dass es so ist, damit er alle Menschen zur Brüderlichkeit aufrufen kann. Wenn er nicht auf neutralem Boden geblieben wäre, hätte er die Diskussion aufrechterhalten, anstatt sie zu besänftigen.


Diese Universalität der Lehre der Geister bildet die Kraft des Spiritismus. Darin liegt auch die Ursache ihrer so schnellen Verbreitung. Während die Stimme eines Menschen, selbst mit Hilfe der Druckerei, Jahrhunderte benötigen würde * , bis sie alle Ohren erreicht hat, verschaffen sich Millionen von Stimmen gleichzeitig, auf allen Punkten der Erde, Gehör, um die gleichen Grundsätze zu verkünden, und sie an die Unwissendsten wie auch an die Gelehrtesten zu übermitteln, damit niemand benachteiligt wird. Dies ist ein Vorteil, den keine der bis heute erschienenen Lehren genossen hat. Wenn also der Spiritismus eine Wahrheit ist, fürchtet er weder den schlechten Willen der Menschen noch die moralischen Revolutionen noch die physischen Umwälzungen des Globus, weil nichts von diesen Dingen die Geister erreichen kann.


Aber das ist nicht der einzige Vorteil, der sich aus dieser außergewöhnlichen Position ergibt. Der Spiritismus findet darin eine allmächtige Garantie gegen die Spaltungen, die hervorgerufen werden könnten, sei es durch den Ehrgeiz einiger, sei es durch die Widersprüche von gewissen Geistern. Diese Widersprüche sind sicherlich eine Klippe, aber sie tragen – neben dem Bösen – in sich ein Hilfsmittel.


Man weiß,
– dass die Geister, infolge ihrer unterschiedlichen Fähigkeiten, weit davon entfernt sind, als Einzelne die ganze Wahrheit zu besitzen;
– dass es nicht allen möglich ist, gewisse Geheimnisse zu durchschauen;
– dass ihr Wissen entsprechend ihrem Reinigungsgrad ist;
– dass die niedrigen Geister nicht mehr wissen als die Menschen, sogar weniger als manche Menschen;
– dass es unter ihnen, wie unter den Menschen, Eingebildete und Schein-Gelehrte gibt, die zu wissen glauben, was sie aber doch nicht wissen, und Systematiker, die ihre eigenen Gedanken als Wahrheit annehmen;
– schließlich, dass die Geister höherer Rangfolge, die vollständig dematerialisiert sind, die Einzigen sind, die von irdischen Gedanken und Vorurteilen frei sind;
– man weiß auch, dass die betrügerischen Geister keine Skrupel haben, sich unter geliehenen Namen zu verstecken, um ihre Utopien aufzudrängen.


Daraus folgt, dass alles was außerhalb der ausschließlich moralischen Lehre ist, also die Offenbarungen, die jeder bekommen kann, individuellen Charakter haben, ohne Glaubwürdigkeit; und sie sollten als persönliche Meinung von diesem oder jenem Geist angesehen werden, und es wäre unvorsichtig, diese anzunehmen und leichtsinnig, sie als absolute Wahrheit zu verkünden.


Die erste Kontrolle ist unbestritten die Vernunft, der man alles, was von den Geistern kommt, ausnahmslos unterwerfen muss. Jede Theorie, die dem gesunden Menschenverstand, der strengen Logik und den positiven Angaben, über die man verfügt, widerspricht, auch wenn sie mit einem bekannten, ehrwürdigen Namen unterzeichnet wurde, muss abgelehnt werden. Diese Kontrolle ist aber in vielen Fällen unvollständig, infolge der Unzulänglichkeit der Kenntnisse von gewissen Personen und der Neigung von vielen, die ihr eigenes Urteil für den einzigen Schiedsrichter der Wahrheit halten. Was werden die Menschen in solchen Fällen tun, die sich nicht einmal selbst vertrauen? Sie übernehmen die Ansicht der Mehrheit, die ihnen als Richtlinie dient. So soll es auch sein hinsichtlich der Lehre der Geistwesen, die uns von sich aus die Kontrollmittel liefern.


Die Übereinstimmung in der Lehre der Geister ist deshalb die beste Kontrolle, aber es ist notwendig, dass sie sich unter bestimmten Bedingungen ereignet. Die unsicherste von allen ist es, wenn ein Medium selbst mehrere Geister über einen zweifelhaften Gesichtspunkt befragt. Es ist klar – wenn das Medium unter der Herrschaft einer Besessenheit oder wenn es mit einem betrügerischen Geist verkehrt – dass dieser Geist ihm die gleiche Sache unter verschiedenen Namen mitteilen kann. Es gibt ebenso keine ausreichende Garantie in der Übereinstimmung, die man von den Medien aus dem gleichen spiritistischen Zentrum bekommen kann, weil sie alle unter dem gleichen Einfluss sein können.


Die einzige ernsthafte Garantie für die Lehre der Geister liegt in der Übereinstimmung, die unter den spontan gegebenen Offenbarungen existiert, durch Vermittlungen zahlreicher Medien, fremd untereinander und an verschiedenen Orten.


Man versteht, dass es sich hier nicht um Mitteilungen hinsichtlich nebensächlicher Interessen handelt, sondern nur um die, die sich auf die eigentlichen Grundsätze der Lehre beziehen. Die Erfahrung beweist, dass wenn ein neuer Grundsatz eine Lösung bekommen muss, er spontan und zugleich an verschiedenen Orten auf die gleiche Art und Weise gelehrt wird, wenn nicht in der Form, so zumindest was den Inhalt betrifft. Falls es also einem Geist gefällt ein exzentrisches System zu formulieren, das nur auf seinen eigenen Ideen basiert und außerhalb der Wahrheit, so kann man sicher sein, dass dieses System begrenzt bleiben wird und angesichts der Einstimmigkeit der überall gegebenen Belehrungen abstürzen wird, wie schon bereits zahlreiche Beispiele gezeigt haben. Diese Einstimmigkeit ist es, die alle partiellen Systeme, die im Ursprung des Spiritismus erschienen sind, zu Fall bringt, während jeder auf seine Weise die Phänomene erklärte, bevor man die Gesetze kannte, welche die Beziehung der sichtbaren mit der unsichtbaren Welt lenken.


Das ist die Basis, auf die wir uns stützen, wenn wir einen Grundsatz der Lehre formulieren. Er entspricht nicht der Wahrheit, nur weil er mit unseren Ideen übereinstimmt; wir treten keineswegs als höchster Schiedsrichter der Wahrheit auf; wir sagen niemandem: „Glaubt an solche Dinge, weil wir es euch sagen“. Unsere Meinung ist vor unseren eigenen Augen nichts anderes als eine persönliche Meinung, die vielleicht richtig oder falsch sein kann, weil wir nicht unfehlbarer sind als die anderen. Und wir halten einen Grundsatz auch nicht für wahr, weil er uns gelehrt wurde, sondern weil er die Bestätigung der Übereinstimmung bekommen hat.


In unserer Position, in der wir aus etwa über tausend seriösen spiritistischen Zentren Mitteilungen erhalten, die über die verschiedensten Orte des Globus zerstreut sind, sind wir selbst dazu imstande, die Grundsätze zu erkennen, auf welche sich diese Übereinstimmung begründet. Es ist diese Beobachtung, die uns bis heute geleitet hat, und diese ist es auch, die uns in die neuen Gebiete führen wird, die der Spiritismus erforschen soll. Indem wir die erhaltenen Mitteilungen aufmerksam studiert haben, sowohl aus Frankreich als auch aus dem Ausland, haben wir durch die ganz besondere Natur der Enthüllungen erkannt, dass es eine Tendenz gibt, einen neuen Weg einzuschlagen, und dass der Moment gekommen ist, einen Schritt nach vorne zu machen. Diese Offenbarungen, manchmal durch verschleierte Wörter formuliert, blieben fast immer unverständlich für viele von denen, die sie erhielten; und viele andere glaubten, sie als einzige zu haben. Isoliert angenommen, wären sie für uns bedeutungslos; der Zufall allein gibt ihnen Ernsthaftigkeit. Nachher, wenn sie veröffentlicht werden, wird sich jeder daran erinnern, Anweisungen in dem gleichen Sinn bekommen zu haben. Diese allgemeine Bewegung, die wir beobachten und studieren mit der Unterstützung unserer Geistführer, ist es, die uns bei der Entscheidung hilft, eine Sache zu tun oder sie zu unterlassen.



Diese universelle Kontrolle ist eine Garantie für die zukünftige Einheit des Spiritismus, und sie wird alle widersprüchlichen Theorien annullieren. In dieser Kontrolle ist es, wo man in der Zukunft das Kriterium der Wahrheit suchen wird. Was den Erfolg der formulierten Lehre in den Büchern „Das Buch der Geister“ und „Das Buch der Medien“ gemacht hat, ist, dass überall jeder direkt von den Geistern die Bestätigung bekommen konnte, was in den Büchern enthalten ist. Wenn von allen Seiten die Geister diese bestritten hätten, hätten diese Bücher nach so langer Zeit das Schicksal aller Phantasieauffassung erlitten. Selbst die Unterstützung der Druckpresse hätte jene nicht vor dem Schiffbruch gerettet; während sie auch ohne diese Unterstützung einen nicht weniger schnellen Weg gehabt haben, weil sie diese von den Geistern erhalten haben, deren Bereitwilligkeit darüber hinaus das Übelwollen des Menschen kompensiert hat. So wird es mit allen von den Geistern oder den Menschen abgegebenen Ideen geschehen, welche der Prüfung der Kontrolle nicht standhalten können, deren Macht niemand bestreiten kann.


Nehmen wir also an, dass es einigen Geistern gefällt, ein Buch mit einem beliebigen Titel, im umgekehrten Sinn, zu diktieren; nehmen wir sogar an, dass in einer feindlichen Absicht und mit dem Vorhaben, die Lehre in Verruf zu bringen, die Böswilligkeit unechte Mitteilungen hervorrufen würde. Welchen Einfluss könnten diese Schriftstücke haben, wenn sie von allen Seiten durch die Geister widerlegt werden? Es ist die Zustimmung der Letzteren, deren man sich vergewissern soll, bevor man ein System in ihrem Namen herausbringt. Von dem System eines einzelnen zu dem System von allen gibt es die gleiche Entfernung wie von der Einheit bis zu dem Unendlichen. Was können selbst alle die Argumente der Verleumder gegen die Meinung der Massen bewirken, wenn Millionen befreundeter Stimmen, ausgehend von dem All, von allen Seiten des Universums kommen und sie im Schoß jeder Familie heftig angreifen? Hat die Erfahrung, in dieser Hinsicht, die Theorie noch nicht bestätigt? Was ist mit all jenen Veröffentlichungen passiert, die angeblich den Spiritismus zerstören sollten? Welche von ihnen hat wenigstens die Entwicklung aufgehalten? Bis heute hat man diese Fragen unter diesem Gesichtspunkt nicht betrachtet, ohne Zweifel eine der gravierendsten. Jeder hat sich auf sich selbst verlassen, aber ohne Berücksichtigung der Geister.


Der Grundsatz der Übereinstimmung ist immer noch eine Garantie gegen die Veränderungen, die die Sekten dem Spiritismus aufzwingen möchten, die sich seiner zum eigenen Nutzen bemächtigen und ihn nach ihrer Art und Weise anpassen wollen. Wer auch immer versuchen würde, ihn von seinem von der Vorsehung bestimmten Ziel abzulenken, würde daran scheitern aus dem einfachen Grunde, dass die Geister durch die Universalität ihrer Lehre jede Veränderung zu Fall bringen werden, die sich von der Wahrheit entfernt.


Daraus geht eine wesentliche Wahrheit hervor, dass jeder, der sich gegen die Strömung der wohlbegründeten und sanktionierten Ideen stellen möchte, eine kleine örtliche und vorübergehende Unruhe verursachen könnte, aber nie die Gesamtheit beherrschen würde, weder in der Gegenwart und noch weniger in der Zukunft.


Es geht weiter daraus hervor, dass die Belehrungen durch die Geister über die noch nicht aufgeklärten Punkte der Lehre, kein Gesetz würden, solange sie isoliert bleiben; und dass sie daher nur unter allen Vorbehalten und als Informationen angenommen werden dürfen.


Daher die Notwendigkeit, bei ihrer Veröffentlichung vorsichtig zu sein; und falls man glaubt, sie veröffentlichen zu müssen, ist es wichtig, sie nur als persönliche Meinung darzustellen, die mehr oder weniger wahrscheinlich sind, aber in jedem Fall bestätigt werden muss. Es ist diese Bestätigung, auf die man warten muss, bevor ein Grundsatz als absolute Wahrheit eingeführt wird, wenn man nicht des Leichtsinns oder der unüberlegten Leichtgläubigkeit beschuldigt werden möchte.


Die höheren Geister gehen in ihren Offenbarungen mit äußerster Weisheit vor. Sie behandeln die großen Fragen der Lehre stufenweise, sofern die Intelligenz fähig ist, die Wahrheit von einer höheren Rangordnung zu verstehen, und wenn die Umstände günstig sind, neue Ideen hervorzubringen. Deshalb haben sie nicht alles von Anfang an gesagt und bis heute auch noch nicht; indem sie niemals der Ungeduld der drängenden Menschen nachgegeben haben, welche die Früchte ernten möchten, bevor sie ausgereift sind. Es wäre daher überflüssig, der von der Vorsehung festgelegten Zeit für jede Sache zuvorkommen zu wollen, denn die wirklich seriösen Geister würden sich im positiven Sinn weigern zu helfen. Die leichtsinnigen Geister jedoch, die sich um die Wahrheit wenig kümmern, antworten auf alles. Aus diesem Grund ergibt es sich, dass es auf alle verfrühten Fragen immer widersprüchliche Antworten geben wird.


Die oben genannten Grundsätze sind nicht das Ergebnis einer persönlichen Theorie, sondern die unvermeidliche Folge der Bedingungen, unter der sich die Geister äußern. Es ist ganz klar, dass, wenn ein Geist eine Sache aus einer Richtung sagt, während Millionen von Geistern anderswo das Gegenteil behaupten, die Anmaßung der Wahrheit vielleicht nicht bei demjenigen sein kann, der allein da steht oder fast allein mit dieser Meinung. Es wäre also unlogisch zu behaupten, dass nur ein einziger gegenüber allen anderen Recht hat, ebenso von der Seite eines Geistes wie von der Seite der Menschen. Die wirklich weisen Geister beantworten eine Frage niemals auf irgendeine Art und Weise, wenn sie sich über diese Frage nicht ausreichend aufgeklärt fühlen. Sie erklären, dass sie dieses Thema nur aus ihrem Gesichtspunkt heraus behandeln, und sie raten dazu, auf dessen Bestätigung zu warten.


So groß, schön und gerecht eine Idee auch sein mag, es ist unmöglich, dass sie von Anfang an alle Meinungen vereinigt. Die daraus hervorgehenden Konflikte sind unvermeidliche Folgen der Bewegung, die vor sich geht. Sie sind sogar notwendig, um die Wahrheit besser hervortreten zu lassen, und es ist nötig, dass sie am Anfang stattfinden, damit die falschen Ideen sehr schnell geschwächt werden. Die Spiritisten, die irgendeine Furcht davor haben, sollen deshalb vollkommen beruhigt sein. Alle isolierten Ansprüche werden zwangsläufig vor dem großen und mächtigen Kriterium der universellen Kontrolle umfallen.


Man schließt sich nicht der Meinung eines Menschen an, sondern an die einhellige Stimme der Geister. Es wird kein Mensch sein, weder wir noch irgendein anderer, der die spiritistische Rechtgläubigkeit gründen wird; es wird auch kein Geist sein, der kommt, um sich durchzusetzen, bei wem es auch sein mag: Es wird die Universalität der Geister sein, die sich im Auftrage Gottes überall auf der Erde mitteilen wird. Darin liegt der wesentliche Charakter der spiritistischen Lehre; darin liegt ihre Macht und ihre Autorität. Gott wollte, dass sein Gesetz auf eine unerschütterliche Basis gesetzt wird, deshalb ließ ER es nicht zu, dass es nur auf dem schwachen Haupt eines einzigen ruht.


Es ist vor diesem höchsten Gerichtshof, der weder Gesellschaftsklatsch noch eifersüchtige Rivalitäten, weder Sekten noch Nationen kennt, dass alle Gegensätze, aller Ehrgeiz, alle Ansprüche an die individuelle Überlegenheit, zerbrechen werden. Dass wir uns selbst zerstören würden, wenn wir diese höchste Verordnung durch unsere eigenen Ideen ersetzen wollten. Er allein wird alle strittigen Fragen lösen, die Gegensätze zum Schweigen bringen und Unrecht oder Recht der zuständigen Person geben. Was vermag die Meinung eines Menschen oder eines Geistes vor dieser gewaltigen Überein-stimmung aller Stimmen des Himmels?


Weniger als ein Wassertropfen, der sich im Ozean verliert, weniger noch als die Stimme eines Kindes, vom Sturm gedämpft. Die universelle Meinung ist doch der höchste Richter, derjenige, der in der letzten Instanz spricht. Sie entsteht aus allen einzelnen Meinungen. Wenn eine von ihnen wahr ist, hat sie nur ihr relatives Gewicht auf der Waage; wenn sie falsch ist, kann sie nicht alle anderen überwinden. Bei diesem unermesslichen Zusammenwirken verblassen die Individualitäten, und dies ist ein neuer Rückschlag für den menschlichen Stolz.


Dieses harmonische Ganze nimmt bereits Gestalt an. Dieses Jahrhundert wird nicht vergehen, bevor es in seinem ganzen Glanz erstrahlt auf eine Weise, die alle Ungewissheit auflöst; weil bis dahin mächtige Stimmen die Mission bekommen werden, sich Gehör zu verschaffen, um die Menschen unter der gleichen Flagge zu vereinigen, sobald das Feld ausreichend gepflügt sein wird. Unterdessen kann derjenige, der zwischen zwei entgegengesetzten Systemen schwankt, beobachten, in welche Richtung sich die allgemeine Meinung bewegt: es ist ein sicheres Indiz der Richtung, in der die Mehrheit der Geister sprechen, an den verschiedenen Stellen, wo sie kommunizieren; dies ist ein nicht weniger sicheres Zeichen von jenem der beiden Systeme, das überwiegen wird.


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* Anmerkung der Übersetzerin: Dieses Buch wurde 1864 verfasst; wir haben den Text getreu übersetzt. Mit den heutigen Kommunikationstechniken ist natürlich eine schnellere Verbreitung möglich.