DAS EVANGELIUM AUS DER SICHT DES SPIRITISMUS

Allan Kardec

Zurück zum Menü
EINLEITUNG

1. Ziel dieses Werkes



Man kann den in den Evangelien enthaltenen Stoff in fünf Abschnitte teilen: Die allgemeinen Taten im Leben Christi; Die Wunder; Die Prophezeiungen; Die Wörter, die für die Festsetzung der Dogmen der Kirche dienten und Die moralische Belehrung. Während die ersten vier Teile Gegenstand von Erörterungen gewesen sind, ist der letzte Teil unangreifbar geblieben. Vor dieser göttlichen Lehre fügt sich die eigene Ungläubigkeit. Die moralische Belehrung ist der Boden, auf dem alle Glaubensrichtungen zusammenkommen können, die Fahne, unter der sich alle schützen können, so verschieden ihr Glauben auch sein mag; denn sie ist niemals Gegenstand von religiösen Auseinandersetzungen gewesen, die immer und überall durch die Dogmen hervorgerufen wurden. Falls die Religionen sie diskutieren würden, hätten sie übrigens in ihr die eigene Verurteilung gefunden, weil die Mehrheit derer mehr am mystischen Teil als am moralischen Teil interessiert ist, der von jedem die eigene Verbesserung erfordert. Die moralische Belehrung ist insbesondere für die Menschen eine Verhaltensregel, da sie alle Umstände des privaten und öffentlichen Lebens umfasst; das Prinzip aller sozialen Beziehungen, die auf strengste Gerechtigkeit gestützt sind. Sie ist schließlich, und vor allem, der unfehlbare Weg des zukünftigen Glücks, eine hochgehobene Spitze des Schleiers, der uns das zukünftige Leben verbirgt. Es ist dieser Teil, der das ausschließliche Grundthema dieses bildet.


Alle Menschen bewundern die moralische Lehre des Evangeliums; alle verkünden ihre Erhabenheit und ihre Notwendigkeit; aber viele tun es, vertrauend auf das, was sie darüber gehört haben, oder gestützt auf einige Maximen, die sprichwörtlich wurden; aber wenige kennen sie gründlich, und noch wenigere verstehen sie und können daraus die Folgen ziehen. Der Grund dafür liegt zum größten Teil in den durch die Lektüre des Evangeliums aufgezeigten Schwierigkeiten, die für die Mehrheit unverständlich sind. Die sinnbildliche Form, der absichtliche Mystizismus der Sprache bewirken, dass die Mehrheit es für die Beruhigung ihres Gewissens und aus Verpflichtung lesen, wie sie die Gebete lesen, ohne sie zu verstehen, was ohne Nutzen bleibt. Die Vorschriften der Moral, hier und dort verstreut, in der Gesamtheit anderer Erzählungen vermischt, bleiben unbemerkt. Es ist dann unmöglich, ihr Ganzes zu verstehen und aus ihr, getrennt, Gegenstand von Lektüre und Meditation zu machen.


Es wurden zwar Abhandlungen der moralischen Lehre des Evangeliums verfasst, aber die Anpassung an den modernen literarischen Stil entzieht ihr die ursprüngliche Einfachheit, die ihr gleichzeitig Zauber und Glaubwürdigkeit gibt. Dasselbe passiert mit den Maximen, die abgesondert auf den einfachsten sprichwörtlichen Ausdruck reduziert wurden, und die dann nichts anderes sind als Aphorismen, die einen Teil ihrer Bedeutung und ihres Interesses verlieren, aus Mangel an Ergänzungen und Umständen, unter welchen sie gegeben worden sind.


Um diesen nachteiligen Folgen vorzubeugen, haben wir in diesem Werk die Abschnitte zusammengefasst, die sozusagen einen Kode der universellen Moral bilden können, ohne Unterscheidung von Glaubensrichtungen. In den Zitaten bewahren wir alles, was von Nützlichkeit für die Entwicklung des Gedankens war, indem wir nur die Sachen, die dem Thema fremd sind, beiseitegelassen haben. Außerdem haben wir gewissenhaft die ursprüngliche Übersetzung von Sacy respektiert, sowie die Unterteilung der Bibelverse. Aber anstatt uns an eine unmögliche, chronologische Form zu binden, die keinen wirklichen Nutzen für solche Themen bringt, wurden die Maximen gruppenweise geordnet und gemäß ihrer Natur methodisch eingeteilt, so dass möglichst die einen die Folge der anderen sind. Die Angabe der Nummerierungen der Kapitel und der Bibelverse erlauben es, auf die übliche Klassifizierung zurückzugreifen, falls es für ratsam gehalten wird.


Dieses wäre nur eine sachliche Arbeit, die von sich aus nicht mehr als einen zweitrangigen nebensächlichen Nutzen hätte. Die Hauptsache war, das Evangelium für alle zugänglich zu machen, mit der Erklärung der unverständlichen Abschnitte und der Entwicklung all ihrer Folgen, hinsichtlich der Anwendung in den verschiedenen Situationen des Lebens. Das ist es, was wir zu tun versucht haben, mit der Hilfe der guten Geister, die uns zur Seite stehen.


Viele Stellen des Evangeliums, der Bibel und der heiligen Autoren sind meistens unverständlich und viele erscheinen unsinnig aus Mangel eines Schlüssels, der uns den wahren Sinn gibt. Dieser Schlüssel ist im Spiritismus vollständig enthalten, wie jene sich schon überzeugt haben, die ihn ernsthaft studierten, und wie man ihn später noch mehr anerkennen wird. Den Spiritismus findet man überall wieder, in der Antike und den verschiedensten Epochen der Menschheit. Überall findet man seine Spuren in den Schriften, in den verschiedenen Glaubensrichtungen und an den Denkmälern. Während der Spiritismus neue Horizonte für die Zukunft eröffnet, wirft er gleichzeitig ein klares Licht auf die Geheimnisse der Vergangenheit.


Als Ergänzung zu jeder Vorschrift geben wir einige Unterweisungen, ausgewählt unter denen, die von den Geistern in verschiedenen Ländern diktiert worden sind, und durch die Vermittlung verschiedener Medien. Wenn diese Unterweisungen aus einer einzigen Quelle entstanden wären, hätten sie einen persönlichen Einfluss oder einen solchen aus dem Milieu erlitten; während die Verschiedenartigkeit der Ursprünge beweist, dass die Geister ihre Lehren überall geben, und dass es niemanden gibt, der in dieser Hinsicht bevorzugt ist.*


Dieses Werk ist für den Gebrauch aller. Jeder kann daraus die Mittel schöpfen, um sein Verhalten in Einklang mit der Moral Christi zu bringen. Die Spiritisten werden außerdem in ihm die Anwendungen finden, die sie ganz besonders betreffen. Dank der von nun an auf eine beständige Art zwischen den Menschen und der unsichtbaren Welt hergestellten Mitteilungen, wird das evangelische Gesetz, das in allen Nationen durch die Geister selbst gelehrt wird, nicht mehr ein totes Wort sein, weil jeder es verstehen kann und unablässig aufgefordert wird, es in die Praxis umzusetzen, durch Ratschläge von seinen geistigen Führern. Die Unterweisungen der Geister sind wirklich die Stimmen des Himmels, die kommen, um die Menschen aufzuklären und sie zur Anwendung des Evangeliums einzuladen.





_____________________________________
* Wir könnten ohne Zweifel über jedes Thema eine größere Anzahl von Mitteilungen geben, die in einer Vielzahl aus anderen Städten und spiritistischen Zentren erhalten worden sind, als jene, die wir zitieren. Aber wir wollten vor allem die Monotonie der unnützen Wiederholungen vermeiden und unsere Wahl auf die begrenzen, die in ihrem Inhalt und in ihrer Form ganz besonders in den Rahmen dieses passen. Die, die hier nicht vorkommen, wurden für die späteren Veröffentlichungen reserviert. Was die Medien betrifft, haben wir sie nicht zitiert; größtenteils auf Grund ihrer eigenen Bitten und weil es nicht angebracht wäre, Ausnahmen zu machen. Außerdem würden die Namen der Medien in keinem Fall dem Werk der Geister mehr Wert hinzufügen. Ihre Erwähnung wäre nur eine Befriedigung der Eigenliebe, und die wahrhaft ernsten Medien interessieren sich nicht dafür. Sie verstehen, dass der Wert der Mitteilungen nicht im Geringsten ihren persönlichen Verdienst steigert, da ihre Rolle ausschließlich passiv ist und dass es kindisch wäre, auf eine intellektuelle Arbeit stolz zu sein, bei der sie nur mechanische Mitwirkung leisten.




2. Autorität der Spiritistischen Lehre

Universelle Kontrolle der Lehre der Geister



Wenn die spiritistische Lehre ausschließlich eine menschliche Anschauung wäre, hätte sie als Garantie nur die Kenntnisse desjenigen, der sie verfasst hat. Nun, niemand auf dieser Welt könnte den Anspruch erheben, allein die unumschränkte Wahrheit zu besitzen. Wenn die Geister, die sie offenbart haben, sich nur einem Menschen gegenüber kundgetan hätten, würde nichts ihre Herkunft garantieren, denn es wäre notwendig, dem Wort desjenigen Glauben zu schenken, der behauptet, von ihnen die Lehren erhalten zu haben. Erkennt man seinerseits absolute Aufrichtigkeit an, könnte er bestenfalls die Menschen in seinem Umfeld überzeugen. Er könnte Anhänger finden, aber es würde ihm niemals gelingen, alle zu vereinigen.


Gott wollte, dass die neue Offenbarung an alle Menschen durch einen schnelleren und glaubwürdigeren Weg herangetragen wird; deshalb hat ER den Geistern befohlen, diese von einem Pol zum anderen zu bringen, sich überall zu offenbaren, ohne jemandem das ausschließliche Privileg zu geben, ihr Wort zu hören. Ein Mensch kann getäuscht werden und er kann sich selbst täuschen, aber es wäre nicht so, wenn Millionen das Gleiche sähen und hörten: Dies ist für jeden einzelnen und für alle eine Garantie. Außerdem kann man einen Menschen verschwinden lassen, aber man kann keine Menschenmassen verschwinden lassen. Man kann die Bücher verbrennen, aber man kann nicht die Geister verbrennen. Würde man alle Bücher verbrennen, die Quelle der Lehre wäre nicht weniger unerschöpflich, weil sie sich nicht auf der Erde befindet. Sie taucht überall auf, und jeder kann daraus schöpfen. Wenn es an Menschen fehlen würde, um sie zu verbreiten, wird es immer Geister geben, die alle erreichen, die aber selbst von niemandem erreicht werden können.



In Wirklichkeit sind es die Geister selbst, die eigentlich den Spiritismus verbreiten mit Hilfe von unzähligen Medien, mit denen sie von allen Seiten Kontakt aufnehmen. Wenn es nur einen einzigen Vermittler gegeben hätte, so sehr dieser auch privilegiert gewesen wäre, wäre der Spiritismus kaum bekannt. Dieser Vermittler seinerseits, egal welcher Klasse er auch angehört hätte, hätte die Vorurteile vieler Menschen hervorgerufen. Er wäre nicht von allen Nationen anerkannt worden; während die Geister, die überall, allen Völkern, allen Religionen und allen Parteien Mitteilungen geben, von allen angenommen werden. Der Spiritismus hat keine Nationalität; ist von allen besonderen Glaubensrichtungen unabhängig und er ist von keiner sozialen Gesellschaftsschicht aufgezwungen, da ja jeder Mitteilungen von seinen Angehörigen und Freunden aus dem Jenseits erhalten kann. Es war nötig, dass es so ist, damit er alle Menschen zur Brüderlichkeit aufrufen kann. Wenn er nicht auf neutralem Boden geblieben wäre, hätte er die Diskussion aufrechterhalten, anstatt sie zu besänftigen.


Diese Universalität der Lehre der Geister bildet die Kraft des Spiritismus. Darin liegt auch die Ursache ihrer so schnellen Verbreitung. Während die Stimme eines Menschen, selbst mit Hilfe der Druckerei, Jahrhunderte benötigen würde * , bis sie alle Ohren erreicht hat, verschaffen sich Millionen von Stimmen gleichzeitig, auf allen Punkten der Erde, Gehör, um die gleichen Grundsätze zu verkünden, und sie an die Unwissendsten wie auch an die Gelehrtesten zu übermitteln, damit niemand benachteiligt wird. Dies ist ein Vorteil, den keine der bis heute erschienenen Lehren genossen hat. Wenn also der Spiritismus eine Wahrheit ist, fürchtet er weder den schlechten Willen der Menschen noch die moralischen Revolutionen noch die physischen Umwälzungen des Globus, weil nichts von diesen Dingen die Geister erreichen kann.


Aber das ist nicht der einzige Vorteil, der sich aus dieser außergewöhnlichen Position ergibt. Der Spiritismus findet darin eine allmächtige Garantie gegen die Spaltungen, die hervorgerufen werden könnten, sei es durch den Ehrgeiz einiger, sei es durch die Widersprüche von gewissen Geistern. Diese Widersprüche sind sicherlich eine Klippe, aber sie tragen – neben dem Bösen – in sich ein Hilfsmittel.


Man weiß,
– dass die Geister, infolge ihrer unterschiedlichen Fähigkeiten, weit davon entfernt sind, als Einzelne die ganze Wahrheit zu besitzen;
– dass es nicht allen möglich ist, gewisse Geheimnisse zu durchschauen;
– dass ihr Wissen entsprechend ihrem Reinigungsgrad ist;
– dass die niedrigen Geister nicht mehr wissen als die Menschen, sogar weniger als manche Menschen;
– dass es unter ihnen, wie unter den Menschen, Eingebildete und Schein-Gelehrte gibt, die zu wissen glauben, was sie aber doch nicht wissen, und Systematiker, die ihre eigenen Gedanken als Wahrheit annehmen;
– schließlich, dass die Geister höherer Rangfolge, die vollständig dematerialisiert sind, die Einzigen sind, die von irdischen Gedanken und Vorurteilen frei sind;
– man weiß auch, dass die betrügerischen Geister keine Skrupel haben, sich unter geliehenen Namen zu verstecken, um ihre Utopien aufzudrängen.


Daraus folgt, dass alles was außerhalb der ausschließlich moralischen Lehre ist, also die Offenbarungen, die jeder bekommen kann, individuellen Charakter haben, ohne Glaubwürdigkeit; und sie sollten als persönliche Meinung von diesem oder jenem Geist angesehen werden, und es wäre unvorsichtig, diese anzunehmen und leichtsinnig, sie als absolute Wahrheit zu verkünden.


Die erste Kontrolle ist unbestritten die Vernunft, der man alles, was von den Geistern kommt, ausnahmslos unterwerfen muss. Jede Theorie, die dem gesunden Menschenverstand, der strengen Logik und den positiven Angaben, über die man verfügt, widerspricht, auch wenn sie mit einem bekannten, ehrwürdigen Namen unterzeichnet wurde, muss abgelehnt werden. Diese Kontrolle ist aber in vielen Fällen unvollständig, infolge der Unzulänglichkeit der Kenntnisse von gewissen Personen und der Neigung von vielen, die ihr eigenes Urteil für den einzigen Schiedsrichter der Wahrheit halten. Was werden die Menschen in solchen Fällen tun, die sich nicht einmal selbst vertrauen? Sie übernehmen die Ansicht der Mehrheit, die ihnen als Richtlinie dient. So soll es auch sein hinsichtlich der Lehre der Geistwesen, die uns von sich aus die Kontrollmittel liefern.


Die Übereinstimmung in der Lehre der Geister ist deshalb die beste Kontrolle, aber es ist notwendig, dass sie sich unter bestimmten Bedingungen ereignet. Die unsicherste von allen ist es, wenn ein Medium selbst mehrere Geister über einen zweifelhaften Gesichtspunkt befragt. Es ist klar – wenn das Medium unter der Herrschaft einer Besessenheit oder wenn es mit einem betrügerischen Geist verkehrt – dass dieser Geist ihm die gleiche Sache unter verschiedenen Namen mitteilen kann. Es gibt ebenso keine ausreichende Garantie in der Übereinstimmung, die man von den Medien aus dem gleichen spiritistischen Zentrum bekommen kann, weil sie alle unter dem gleichen Einfluss sein können.


Die einzige ernsthafte Garantie für die Lehre der Geister liegt in der Übereinstimmung, die unter den spontan gegebenen Offenbarungen existiert, durch Vermittlungen zahlreicher Medien, fremd untereinander und an verschiedenen Orten.


Man versteht, dass es sich hier nicht um Mitteilungen hinsichtlich nebensächlicher Interessen handelt, sondern nur um die, die sich auf die eigentlichen Grundsätze der Lehre beziehen. Die Erfahrung beweist, dass wenn ein neuer Grundsatz eine Lösung bekommen muss, er spontan und zugleich an verschiedenen Orten auf die gleiche Art und Weise gelehrt wird, wenn nicht in der Form, so zumindest was den Inhalt betrifft. Falls es also einem Geist gefällt ein exzentrisches System zu formulieren, das nur auf seinen eigenen Ideen basiert und außerhalb der Wahrheit, so kann man sicher sein, dass dieses System begrenzt bleiben wird und angesichts der Einstimmigkeit der überall gegebenen Belehrungen abstürzen wird, wie schon bereits zahlreiche Beispiele gezeigt haben. Diese Einstimmigkeit ist es, die alle partiellen Systeme, die im Ursprung des Spiritismus erschienen sind, zu Fall bringt, während jeder auf seine Weise die Phänomene erklärte, bevor man die Gesetze kannte, welche die Beziehung der sichtbaren mit der unsichtbaren Welt lenken.


Das ist die Basis, auf die wir uns stützen, wenn wir einen Grundsatz der Lehre formulieren. Er entspricht nicht der Wahrheit, nur weil er mit unseren Ideen übereinstimmt; wir treten keineswegs als höchster Schiedsrichter der Wahrheit auf; wir sagen niemandem: „Glaubt an solche Dinge, weil wir es euch sagen“. Unsere Meinung ist vor unseren eigenen Augen nichts anderes als eine persönliche Meinung, die vielleicht richtig oder falsch sein kann, weil wir nicht unfehlbarer sind als die anderen. Und wir halten einen Grundsatz auch nicht für wahr, weil er uns gelehrt wurde, sondern weil er die Bestätigung der Übereinstimmung bekommen hat.


In unserer Position, in der wir aus etwa über tausend seriösen spiritistischen Zentren Mitteilungen erhalten, die über die verschiedensten Orte des Globus zerstreut sind, sind wir selbst dazu imstande, die Grundsätze zu erkennen, auf welche sich diese Übereinstimmung begründet. Es ist diese Beobachtung, die uns bis heute geleitet hat, und diese ist es auch, die uns in die neuen Gebiete führen wird, die der Spiritismus erforschen soll. Indem wir die erhaltenen Mitteilungen aufmerksam studiert haben, sowohl aus Frankreich als auch aus dem Ausland, haben wir durch die ganz besondere Natur der Enthüllungen erkannt, dass es eine Tendenz gibt, einen neuen Weg einzuschlagen, und dass der Moment gekommen ist, einen Schritt nach vorne zu machen. Diese Offenbarungen, manchmal durch verschleierte Wörter formuliert, blieben fast immer unverständlich für viele von denen, die sie erhielten; und viele andere glaubten, sie als einzige zu haben. Isoliert angenommen, wären sie für uns bedeutungslos; der Zufall allein gibt ihnen Ernsthaftigkeit. Nachher, wenn sie veröffentlicht werden, wird sich jeder daran erinnern, Anweisungen in dem gleichen Sinn bekommen zu haben. Diese allgemeine Bewegung, die wir beobachten und studieren mit der Unterstützung unserer Geistführer, ist es, die uns bei der Entscheidung hilft, eine Sache zu tun oder sie zu unterlassen.

Diese universelle Kontrolle ist eine Garantie für die zukünftige Einheit des Spiritismus, und sie wird alle widersprüchlichen Theorien annullieren. In dieser Kontrolle ist es, wo man in der Zukunft das Kriterium der Wahrheit suchen wird. Was den Erfolg der formulierten Lehre in den Büchern „Das Buch der Geister“ und „Das Buch der Medien“ gemacht hat, ist, dass überall jeder direkt von den Geistern die Bestätigung bekommen konnte, was in den Büchern enthalten ist. Wenn von allen Seiten die Geister diese bestritten hätten, hätten diese Bücher nach so langer Zeit das Schicksal aller Phantasieauffassung erlitten. Selbst die Unterstützung der Druckpresse hätte jene nicht vor dem Schiffbruch gerettet; während sie auch ohne diese Unterstützung einen nicht weniger schnellen Weg gehabt haben, weil sie diese von den Geistern erhalten haben, deren Bereitwilligkeit darüber hinaus das Übelwollen des Menschen kompensiert hat. So wird es mit allen von den Geistern oder den Menschen abgegebenen Ideen geschehen, welche der Prüfung der Kontrolle nicht standhalten können, deren Macht niemand bestreiten kann.

Nehmen wir also an, dass es einigen Geistern gefällt, ein Buch mit einem beliebigen Titel, im umgekehrten Sinn, zu diktieren; nehmen wir sogar an, dass in einer feindlichen Absicht und mit dem Vorhaben, die Lehre in Verruf zu bringen, die Böswilligkeit unechte Mitteilungen hervorrufen würde. Welchen Einfluss könnten diese Schriftstücke haben, wenn sie von allen Seiten durch die Geister widerlegt werden? Es ist die Zustimmung der Letzteren, deren man sich vergewissern soll, bevor man ein System in ihrem Namen herausbringt. Von dem System eines einzelnen zu dem System von allen gibt es die gleiche Entfernung wie von der Einheit bis zu dem Unendlichen. Was können selbst alle die Argumente der Verleumder gegen die Meinung der Massen bewirken, wenn Millionen befreundeter Stimmen, ausgehend von dem All, von allen Seiten des Universums kommen und sie im Schoß jeder Familie heftig angreifen? Hat die Erfahrung, in dieser Hinsicht, die Theorie noch nicht bestätigt? Was ist mit all jenen Veröffentlichungen passiert, die angeblich den Spiritismus zerstören sollten? Welche von ihnen hat wenigstens die Entwicklung aufgehalten? Bis heute hat man diese Fragen unter diesem Gesichtspunkt nicht betrachtet, ohne Zweifel eine der gravierendsten. Jeder hat sich auf sich selbst verlassen, aber ohne Berücksichtigung der Geister.

Der Grundsatz der Übereinstimmung ist immer noch eine Garantie gegen die Veränderungen, die die Sekten dem Spiritismus aufzwingen möchten, die sich seiner zum eigenen Nutzen bemächtigen und ihn nach ihrer Art und Weise anpassen wollen. Wer auch immer versuchen würde, ihn von seinem von der Vorsehung bestimmten Ziel abzulenken, würde daran scheitern aus dem einfachen Grunde, dass die Geister durch die Universalität ihrer Lehre jede Veränderung zu Fall bringen werden, die sich von der Wahrheit entfernt.

Daraus geht eine wesentliche Wahrheit hervor, dass jeder, der sich gegen die Strömung der wohlbegründeten und sanktionierten Ideen stellen möchte, eine kleine örtliche und vorübergehende Unruhe verursachen könnte, aber nie die Gesamtheit beherrschen würde, weder in der Gegenwart und noch weniger in der Zukunft.

Es geht weiter daraus hervor, dass die Belehrungen durch die Geister über die noch nicht aufgeklärten Punkte der Lehre, kein Gesetz würden, solange sie isoliert bleiben; und dass sie daher nur unter allen Vorbehalten und als Informationen angenommen werden dürfen.

Daher die Notwendigkeit, bei ihrer Veröffentlichung vorsichtig zu sein; und falls man glaubt, sie veröffentlichen zu müssen, ist es wichtig, sie nur als persönliche Meinung darzustellen, die mehr oder weniger wahrscheinlich sind, aber in jedem Fall bestätigt werden muss. Es ist diese Bestätigung, auf die man warten muss, bevor ein Grundsatz als absolute Wahrheit eingeführt wird, wenn man nicht des Leichtsinns oder der unüberlegten Leichtgläubigkeit beschuldigt werden möchte.

Die höheren Geister gehen in ihren Offenbarungen mit äußerster Weisheit vor. Sie behandeln die großen Fragen der Lehre stufenweise, sofern die Intelligenz fähig ist, die Wahrheit von einer höheren Rangordnung zu verstehen, und wenn die Umstände günstig sind, neue Ideen hervorzubringen. Deshalb haben sie nicht alles von Anfang an gesagt und bis heute auch noch nicht; indem sie niemals der Ungeduld der drängenden Menschen nachgegeben haben, welche die Früchte ernten möchten, bevor sie ausgereift sind. Es wäre daher überflüssig, der von der Vorsehung festgelegten Zeit für jede Sache zuvorkommen zu wollen, denn die wirklich seriösen Geister würden sich im positiven Sinn weigern zu helfen. Die leichtsinnigen Geister jedoch, die sich um die Wahrheit wenig kümmern, antworten auf alles. Aus diesem Grund ergibt es sich, dass es auf alle verfrühten Fragen immer widersprüchliche Antworten geben wird.

Die oben genannten Grundsätze sind nicht das Ergebnis einer persönlichen Theorie, sondern die unvermeidliche Folge der Bedingungen, unter der sich die Geister äußern. Es ist ganz klar, dass, wenn ein Geist eine Sache aus einer Richtung sagt, während Millionen von Geistern anderswo das Gegenteil behaupten, die Anmaßung der Wahrheit vielleicht nicht bei demjenigen sein kann, der allein da steht oder fast allein mit dieser Meinung. Es wäre also unlogisch zu behaupten, dass nur ein einziger gegenüber allen anderen Recht hat, ebenso von der Seite eines Geistes wie von der Seite der Menschen. Die wirklich weisen Geister beantworten eine Frage niemals auf irgendeine Art und Weise, wenn sie sich über diese Frage nicht ausreichend aufgeklärt fühlen. Sie erklären, dass sie dieses Thema nur aus ihrem Gesichtspunkt heraus behandeln, und sie raten dazu, auf dessen Bestätigung zu warten.

So groß, schön und gerecht eine Idee auch sein mag, es ist unmöglich, dass sie von Anfang an alle Meinungen vereinigt. Die daraus hervorgehenden Konflikte sind unvermeidliche Folgen der Bewegung, die vor sich geht. Sie sind sogar notwendig, um die Wahrheit besser hervortreten zu lassen, und es ist nötig, dass sie am Anfang stattfinden, damit die falschen Ideen sehr schnell geschwächt werden. Die Spiritisten, die irgendeine Furcht davor haben, sollen deshalb vollkommen beruhigt sein. Alle isolierten Ansprüche werden zwangsläufig vor dem großen und mächtigen Kriterium der universellen Kontrolle umfallen.

Man schließt sich nicht der Meinung eines Menschen an, sondern an die einhellige Stimme der Geister. Es wird kein Mensch sein, weder wir noch irgendein anderer, der die spiritistische Rechtgläubigkeit gründen wird; es wird auch kein Geist sein, der kommt, um sich durchzusetzen, bei wem es auch sein mag: Es wird die Universalität der Geister sein, die sich im Auftrage Gottes überall auf der Erde mitteilen wird. Darin liegt der wesentliche Charakter der spiritistischen Lehre; darin liegt ihre Macht und ihre Autorität. Gott wollte, dass sein Gesetz auf eine unerschütterliche Basis gesetzt wird, deshalb ließ ER es nicht zu, dass es nur auf dem schwachen Haupt eines einzigen ruht.

Es ist vor diesem höchsten Gerichtshof, der weder Gesellschaftsklatsch noch eifersüchtige Rivalitäten, weder Sekten noch Nationen kennt, dass alle Gegensätze, aller Ehrgeiz, alle Ansprüche an die individuelle Überlegenheit, zerbrechen werden. Dass wir uns selbst zerstören würden, wenn wir diese höchste Verordnung durch unsere eigenen Ideen ersetzen wollten. Er allein wird alle strittigen Fragen lösen, die Gegensätze zum Schweigen bringen und Unrecht oder Recht der zuständigen Person geben. Was vermag die Meinung eines Menschen oder eines Geistes vor dieser gewaltigen Überein-stimmung aller Stimmen des Himmels?

Weniger als ein Wassertropfen, der sich im Ozean verliert, weniger noch als die Stimme eines Kindes, vom Sturm gedämpft. Die universelle Meinung ist doch der höchste Richter, derjenige, der in der letzten Instanz spricht. Sie entsteht aus allen einzelnen Meinungen. Wenn eine von ihnen wahr ist, hat sie nur ihr relatives Gewicht auf der Waage; wenn sie falsch ist, kann sie nicht alle anderen überwinden. Bei diesem unermesslichen Zusammenwirken verblassen die Individualitäten, und dies ist ein neuer Rückschlag für den menschlichen Stolz.

Dieses harmonische Ganze nimmt bereits Gestalt an. Dieses Jahrhundert wird nicht vergehen, bevor es in seinem ganzen Glanz erstrahlt auf eine Weise, die alle Ungewissheit auflöst; weil bis dahin mächtige Stimmen die Mission bekommen werden, sich Gehör zu verschaffen, um die Menschen unter der gleichen Flagge zu vereinigen, sobald das Feld ausreichend gepflügt sein wird. Unterdessen kann derjenige, der zwischen zwei entgegengesetzten Systemen schwankt, beobachten, in welche Richtung sich die allgemeine Meinung bewegt: es ist ein sicheres Indiz der Richtung, in der die Mehrheit der Geister sprechen, an den verschiedenen Stellen, wo sie kommunizieren; dies ist ein nicht weniger sicheres Zeichen von jenem der beiden Systeme, das überwiegen wird.


_______________________________________
* Anmerkung der Übersetzerin: Dieses Buch wurde 1864 verfasst; wir haben den Text getreu übersetzt. Mit den heutigen Kommunikationstechniken ist natürlich eine schnellere Verbreitung möglich.



3. Historische Hinweise

Um bestimmte Abschnitte der Evangelien gut zu verstehen, ist es notwendig die Bedeutung der vielen Worte zu kennen, die oft in den Texten angewandt sind und die den Zustand der Sitten und die jüdische Gesellschaft in jener Zeit charakterisieren. Diese Worte, die für uns nicht die gleiche Bedeutung haben, wurden oft falsch interpretiert und haben daher eine Art von Ungewissheit erzeugt. Das Verstehen ihrer Bedeutung erklärt außerdem den wahren Sinn von gewissen Grundsätzen, die auf den ersten Blick fremd erscheinen.

SAMARITER – Nach dem Schisma (Kirchenspaltung) der zehn Stämme, wurde Samaria die Hauptstadt des andersgläubigen Reiches Israels. Mehrmals zerstört und wiederaufgebaut ist sie unter der römischen Herrschaft der Verwaltungssitz Samarias geworden, eine der vier Gebietsteile Palästinas. Herodes, der Große genannt, hat sie mit prunkvollen Denkmälern verschönert und um Augustus zu gefallen, hat er ihr den Namen Augusta gegeben, auf Griechisch „Sébaste“.

Die Samariter führten fast immer Krieg mit den Königen Judäas. Eine tiefe Abneigung, beginnend mit der Zeit der Trennung, bestand zwischen den beiden Völkern ständig fort, die alle Formen der gegenseitigen Beziehungen vermieden. Um das Schisma (Kirchenspaltung) noch tiefer zu machen und nicht nach Jerusalem zur Feier der religiösen Feste gehen zu müssen, bauten sich die Samariter einen eigenen Tempel und führten einige Reformen ein. Sie erkannten nur den Pentateuch an, der das Gesetz Moses enthält, und lehnten alle anderen Bücher ab, die ihm später beigefügt wurden. Seine heiligen Bücher waren in hebräischen Schriftzeichen der höchsten Antike geschrieben. Für die orthodoxen Juden waren sie ketzerisch, deshalb wurden sie verachtet, verflucht und verfolgt. Der Antagonismus der beiden Völker hatte also als einzige Ursache die religiösen Meinungsverschiedenheiten, obwohl ihr Glauben den gleichen Ursprung hatte. Sie waren die Protestanten dieser Epoche.

Noch heute befinden sich Samariter in einigen Gebieten des Orients, insbesondere in Nablus und in Jaffa. Sie befolgen mit mehr Strenge das Gesetz Moses als die anderen Juden und sie heiraten nur unter sich.

NAZARENER – Der Name wurde im alten Gesetz den Juden gegeben, die ein Gelübde ablegten, sei es für das ganze Leben oder nur für einige Zeit, eine vollkommene Reinheit zu bewahren. Sie verpflichten sich zur Keuschheit, zur Abstinenz von alkoholischen Getränken und zur Erhaltung ihrer Haare. Samson, Samuel und Johannes der Täufer waren Nazarener.

Später gaben die Juden diesen Namen den Ersten Christen, in Anspielung auf Jesus aus Nazareth.

Dies war ebenfalls der Name von einer ketzerischen Sekte der ersten Jahrhunderte des christlichen Zeitalters, die ebenso wie die Ebioniten, von denen sie gewisse Grundlagen annahmen, die mosaischen Praktiken mit den christlichen Dogmen vermischten. Diese Sekte verschwand im vierten Jahrhundert.

ZÖLLNER – Man nannte so, im alten Rom, die Ritterpächter der staatlichen Gebühren, die Beauftragten zur Eintreibung der Steuern und Einkommen aller Art, sei es in Rom selbst oder in anderen Teilen des Reiches. Sie waren vergleichbar mit den allgemeinen Steuereinziehern (fermiers généraux et traitants) im alten Regime Frankreichs, und mit denjenigen, die noch in einigen Gebieten existieren. Die Gefahren, denen sie ausgesetzt waren, ließen die Augen verschließen vor dem Reichtum, den sie erwarben, und der bei vielen die Erträge aus Erpressungen und anstößigen Gewinnen waren. Der Name Zöllner wurde später auf alle anderen ausgeweitet, die mit staatlichem Geld umgingen und auf ihre untergeordneten Agenten. Heute wird das Wort verächtlich benutzt, um gewissenlose Geschäftsmänner und Makler zu bezeichnen; manchmal bezeichnen wir jemanden als: „gierig wie ein Zöllner oder auch: reich wie ein Zöllner“, wenn sein Vermögen dubioser Herkunft ist.

Unter der römischen Herrschaft waren es die Steuern, die die Juden am schwersten hinnehmen konnten und die die meisten Verärgerungen unter ihnen verursachten. Sie riefen mehrere Revolten hervor, und es wurde daraus ein religiöses Problem gemacht, weil sie als gesetzwidrig angesehen wurden. Es bildete sich sogar eine mächtige Partei, angeführt von einem gewissen Judas, auch „Gaulonite“ genannt, der die Ablehnung der Steuer zum Prinzip erhob. Die Juden verabscheuten folglich die Steuer, und infolgedessen auch diejenigen, die mit der Steuereintreibung beauftragt waren. Dieses ist das Motiv ihrer Abneigung für die Zöllner aller Klassen, unter denen geschätzte Menschen sein konnten, aber die aufgrund ihres Amtes verachtet wurden, zusammen mit all den Menschen, mit denen sie verkehrten, alle wurden in die gleiche Ablehnung mit einbezogen. Die hochgestellten Juden glaubten ihren Ruf aufs Spiel zu setzen, wenn sie mit ihnen enge Beziehungen unterhielten.

GEBÜHRENEINNEHMER (STADTZÖLLNER) – Sie waren niedrige Finanzbeamte, die hauptsächlich beauftragt waren, die Gebühren für den Zutritt in die Städte einzukassieren. Ihre Aufgaben entsprachen mehr oder weniger denen der Zollbeamten und der Kassierer des Stadtzolls. Sie wurden ebenso wie alle anderen Zöllner abgelehnt. Aus diesem Grund findet man oft im Evangelium den Namen Zöllner, in der Bedeutung: Leute, die ein schlechtes Leben führen. Diese Benennung schloss nicht die Herumtreiber und skrupellosen Menschen mit ein; sie war ein Ausdruck des Verachtens, Synonym für Menschen schlechter Gesellschaft, unwürdig mit Menschen guter Gesellschaft zu verkehren.

PHARISÄER (aus dem Hebräischen „Parasch“ = Teilung, Trennung) – Die Tradition bildete einen wichtigen Bestandteil der jüdischen Theologie. Sie bestand aus der Sammlung der nach und nach gegebenen Interpretationen über die Bedeutung der Schriften, und die Abschnitte des Dogmas geworden sind. Dies war unter den Gelehrten Anlass für endlose Diskussionen, meistens über einfache Fragen von Worten oder Formen, ähnlich den theologischen Auseinandersetzungen und den Spitzfindigkeiten der Scholastik des Mittelalters. Daraus entstanden verschiedene Sekten, und jede gab vor, das Monopol der Wahrheit zu besitzen, und wie es fast immer geschieht, verabscheuten die einen die anderen.

Unter diesen Sekten war die einflussreichste die von den Pharisäern, mit Hillel * als Führer, ein jüdischer Doktor, geboren in Babylonien und Gründer einer berühmten Schule, an der man lehrte, dass der Glaube nur auf den Schriften gründet. Ihr Ursprung geht auf das Jahr 180 oder 200 vor Jesus Christus zurück. Die Pharisäer wurden in verschiedenen Epochen verfolgt, insbesondere unter „Hyrkanus“, dem obersten Kirchenfürst und König der Juden, den Königen von Syrien, Aristoboulos und Alexander, der letztere gab ihnen jedoch die Ehren und ihren Besitz wieder zurück und sie erlangten erneut die Macht, die sie behielten bis zum Niedergang von Jerusalem im Jahre 70 der christlichen Ära, eine Epoche, in der aufgrund der Zerstreuung der Juden ihr Name verschwand.

Die Pharisäer nahmen tatkräftig an den religiösen Auseinandersetzungen teil. Sie achteten streng auf die Äußerlichkeiten bei der Ausübung des Kults und der Feierlichkeiten, zeigten einen heftigen Eifer bei der Proselytenmacherei (Bekehrung der Heiden zum Judentum), waren Feinde der Neuerer und täusch ten bei alledem eine große Strenge der Prinzipien vor. Aber unter dem Anschein einer gewissenhaften Frömmigkeit versteckten sie ausschweifende Sitten, viel Hochmut und vor allem eine extreme Gier zu Herrschen. Die Religion war für sie eher ein Hilfsmittel, um ihre Ziele zu erreichen, als Gegenstand eines aufrichtigen Glaubens. Sie achteten nur auf den äußeren Schein, prahlten mit ihrer Tugend, und übten damit einen großen Einfluss auf das Volk aus, in dessen Augen sie für heilige Personen gehalten wurden; deshalb waren sie sehr mächtig in Jerusalem.

Sie glaubten, oder gaben es wenigstens vor, an die Vorsehung, an die Unsterblichkeit der Seele, an die Ewigkeit der Leiden und an die Auferstehung der Toten (Kap. 4; Nr. 4). Jesus, der vor allem die Schlichtheit und die Eigenschaften des Herzens schätzte, der im Gesetz den Geist, der belebt, dem Wort, das tötet, vorzog, bemühte sich während der Zeit seiner Mission, ihre Heuchelei zu entlarven, als Folge davon wurden sie zu seinen blutrünstigen Feinden. Aus diesem Grund sind sie mit dem Hohepriester in Verbindung getreten, um das Volk gegen Ihn aufzuwiegeln, mit dem Ziel, Ihn umkommen zu lassen.

SCHRIFTGELEHRTE – Der Name wurde anfangs den Staatssekretären der Könige Judäas und gewissen Verwaltern der jüdischen Armee gegeben. Aber später wurden insbesondere Gelehrte so bezeichnet, die das Gesetz Moses lehrten und es für das Volk interpretierten. Sie machten gemeinsame Sache mit den Pharisäern und teilten deren Prinzipien und Abneigung gegen die Neuerer. Jesus schließt sie deswegen in seine Ablehnung mit ein.

SYNAGOGE (aus dem Griechischen: „Sunagoguê“ = Versammlung, Kongregation) – Es existierte nur ein Tempel in Judäa, nämlich der des Salomons in Jerusalem, wo man die großen Feierlichkeiten der Religion zelebrierte. Alle Jahre pilgerten die Juden zu ihm anlässlich den wichtigen Feiern, wie die von Ostern, die der Gottesweihung und die des Laubhüttenfestes (Tabernakel). Zu diesen Anlässen machte Jesus mehrere Reisen dorthin. Die anderen Städte hatten keine Tempel, sondern Synagogen, Gebäude, in denen sich die Juden am Tag des Sabbats versammelten, um ihre öffentlichen Gebete unter der Leitung der Ältesten, der Schriftgelehrten und der Gesetzeshüter zu sprechen. Dort hielt man auch Vorlesungen aus den Heiligen Büchern, die man erklärte und kommentierte; jeder konnte daran teilnehmen; deshalb lehrte Jesus, ohne Priester zu sein, am Tag des Sabbats in den Synagogen.

Seit der Zerstörung Jerusalems und der Zerstreuung der Juden dienen die Synagogen in den Städten, wo sie wohnen, als Tempel für die Feier des Gottesdienstes.

SADDUZÄER – Jüdische Sekte, die ungefähr im Jahr 248 vor Christus entstand, deren Name von ihrem Gründer Sadoc herstammt. Die Sadduzäer glaubten weder an die Unsterblichkeit der Seele noch an die Auferstehung noch an die guten und bösen Engel. Indessen glaubten sie an Gott, aber erwarteten nichts nach dem Tod; sie dienten Ihm nur zwecks weltlicher Belohnungen, die, aus ihrer Sicht, sich auf seine Vorsehung beschränkte, daher war für sie die Befriedigung der Sinne das Hauptziel des Lebens. Was die Schriften anbelangt, hielten sie sich an die Texte des alten Gesetzes, sie duldeten weder die Tradition noch irgendeine andere Auslegung; sie stellten die guten Taten und die reine und einfache Ausführung des Gesetzes über die äußerlichen Ausübungen des Kultes. Wie man sieht, waren sie die Materialisten, die Deisten und sinnlichen Menschen der Epoche. Diese Sekte war nicht sehr groß, aber zu ihr zählten wichtige Persönlichkeiten, und sie wurde eine politische Partei, ständiger Gegner der Pharisäer.

ESSENER oder ESSÄER – Eine jüdische Sekte, die ungefähr im Jahr 150 vor Christus gegründet wurde, zur Zeit der Makkabäer, deren Mitglieder in einem klosterähnlichen Gebäude wohnten und unter sich eine Art moralische und religiöse Vereinigung bildeten. Sie unterschieden sich durch sanfte Sitten und strenge Tugenden, sie lehrten die Liebe zu Gott und zum Nächsten, die Unsterblichkeit der Seele und glaubten an die Auferstehung. Sie lebten im Zölibat, verurteilten die Sklaverei und den Krieg, verwalteten ihren Besitz gemeinschaftlich und widmeten sich der Landwirtschaft. Im Gegensatz zu den lüsternen Sadduzäern, die die Unsterblichkeit leugneten und zu den, bei den äußerlichen Bräuchen strengen Pharisäern, wobei deren Tugenden nur zum Schein vorhanden waren, nahmen sie an keinen Aus-einandersetzungen teil, die diese beiden Sekten trennten. Ihre Lebensart ähnelte jener der ersten Christen, und die Grundsätze der Moral, zu denen sie sich bekannten, brachten einige Menschen dazu zu glauben, dass Jesus vor dem Beginn Seiner öffentlichen Mission dieser Sekte angehörte. Es ist gewiss, dass Er sie gekannt haben müsste, aber nichts beweist, dass Er sich ihr angeschlossen hatte und alles, was man darüber schreibt, ist hypothetisch.**

THERAPEUTEN (aus dem Griechischen: thérapeutai, abgeleitet von dem Verb therapeuein = dienen, heilen; das bedeutet: Diener Gottes oder Heilkundiger) – Sie waren jüdische Sektierer aus der Zeit Christi und hatten sich hauptsächlich in Alexandria, Ägypten, niedergelassen. Sie hatten intensive Beziehungen zu den Essenern, deren Grundsätze sie verkündeten; und wie Letztere, gaben sie sich der Ausübung aller Tugenden hin. Ihre Nahrung war von einer extremen Einfachheit; sie gelobten das Zölibat, die Kontemplation und das einsame Leben, sie bildeten einen echten religiösen Orden. Philon, jüdischer platonischer Philosoph aus Alexandria, war der Erste, der die Therapeuten erwähnte; er stellte sie als eine jüdische Sekte vor. Eusebio, der Heilige Jeronimus und andere Väter der Kirche glaubten, dass sie Christen waren. Juden oder Christen, offensichtlich ist, dass sie, ebenso wie die Essener, das Bindeglied zwischen dem Judentum und dem Christentum bilden.

___________________________
* Verwechselt nicht diesen Hillel, der die Sekte der Pharisäer gründete, mit seinem Namensvetter, der zweihundert Jahre später gelebt hat, und der die religiösen und sozialen Grundsätze von einem ganzen System aus Toleranz und Liebe festlegte; ein System, das heute unter Hellenismus bekannt ist. (Von der portugiesischen Übersetzung der FEB übernommen)
** Der Tod Jesu, angeblich von einem Essener geschrieben, ist ein völlig unechtes Werk, geschrieben um einer Meinung zu dienen, und das in sich selbst den Beweis seiner modernen Herkunft enthält.



4. Sokrates und Platon, Vorläufer der Christlichen Lehre und des Spiritismus

Aus der Tatsache heraus, dass Jesus die Sekte der Essener gekannt haben musste, wäre es falsch zu folgern, dass Er aus dieser Sekte Seine Lehre geschöpft hätte, und dass Er – falls Er in einem anderen Milieu gelebt hätte – sich zu anderen Grundsätzen bekannt hätte. Die großen Ideen brechen niemals plötzlich hervor. Diejenigen, die die Wahrheit als Basis haben, haben immer Vorläufer, die ihnen teilweise den Weg bereiten. Später, wenn die Zeit gekommen ist, schickt Gott einen Menschen mit der Mission, diese zerstreuten Grundlagen zusammenzufassen, zu ordnen und zu ergänzen, um daraus ein Ganzes zu bilden. Auf diese Weise findet die Idee, die nicht plötzlich gekommen ist, bei ihrem Erscheinen Menschen, die vorbereitet sind, sie anzunehmen. So geschah es mit den christlichen Ideen, die viele Jahrhunderte vor Jesu und den Essenern vorausgeahnt wurden, und deren hauptsächliche Vorläufer Sokrates und Platon waren.

Sokrates, ebenso wie Christus, schrieb nichts auf oder hinterließ zumindest nichts Schriftliches; wie Christus starb auch er den Tod der Verbrecher, Opfer des Fanatismus, weil er den traditionellen Glauben angegriffen und die wahre Tugend über die Heuchelei und die Täuschung durch Festhalten am Formalismus gestellt hatte, in einem Wort, weil er die religiösen Vorurteile bekämpfte. So wie Jesus von den Pharisäern beschuldigt wurde, das Volk mit seinen Lehren zu verderben, ist er ebenfalls von den Pharisäern seiner Zeit angeklagt worden – da es sie in allen Epochen gegeben hat – die Jugend durch die Verkündungen des Dogmas der Einheit Gottes, der Unsterblichkeit der Seele und des zukünftigen Lebens zu verderben. Und ebenso wie wir die Lehre Jesu nur aus den Schriften seiner Jünger kennen, so kennen wir die von Sokrates nur durch die Schriften seines Schülers Platon. Wir halten es für nützlich, hier die wichtigsten Punkte zusammenzufassen, um die Übereinstimmung mit den Grundsätzen des Christentums zu veranschaulichen.

Denjenigen, die diese Parallele als eine Entweihung ansehen und behaupten würden, dass es keine Ähnlichkeiten zwischen der Lehre eines Heiden und der eines Christen geben kann, antworten wir: dass die Lehre Sokrates nicht heidnisch war, denn sie hatte das Ziel, das Heidentum zu bekämpfen; dass die Lehre Jesu, die vollständiger und reiner als die des Sokrates ist, beim Vergleich nichts zu verlieren hat; dass die Bedeutung der göttlichen Mission Jesu damit nicht vermindert wird; und dass es sich, im übrigen, um historische Fakten handelt, die nicht vertuscht werden können. Der Mensch ist an einem Punkt angelangt, an dem das Licht von sich aus unter dem Scheffel hervorkommt; er ist reif, ihm gegenüberzutreten; schade für jene, die sich aus Angst nicht getrauen, ihre Augen zu öffnen. Es ist die Zeit gekommen, die Dinge auf eine erhabene und umfassende Art und Weise zu betrachten und nicht mehr aus dem kleinlichen und beschränkten Gesichtspunkt der Interessen von Sekten und Kasten.

Diese Zitate beweisen außerdem, dass, wenn Sokrates und Platon das christliche Denken vorausgeahnt haben, man auch gleichzeitig in ihrer Lehre die grundlegenden Grundsätze des Spiritismus findet.

Zusammenfassung der Lehre von Sokrates und Platon

I. Der Mensch ist eine inkarnierte Seele. Vor ihrer Inkarnation existierte sie, verbunden mit den wesentlichen Urbildern, den Ideen des Wahren, des Guten und des Schönen. Bei der Inkarnation trennt sie sich von ihnen, und wenn sie sich an ihre Vergangenheit erinnert, fühlt sie sich mehr oder weniger gequält von dem Wunsch dorthin zurückzukehren.

Man kann nicht deutlicher den Unterschied und die Unabhängigkeit des intelligenten Prinzips und des materiellen Prinzips ausdrücken. Dies ist außerdem die Lehre der Präexistenz der Seele; von der vagen Intuition, die sie von der Existenz einer anderen Welt bewahrt, nach der sie strebt; von ihrem Weiterleben nach dem Tod des Körpers; von ihrem Austritt aus der geistigen Welt, um zu inkarnieren und von ihrer Rückkehr nach dem Tod zu dieser Welt. Es ist schließlich der Keim der Lehre der gefallenen Engel.

II. Die Seele verirrt sich und gerät in Verwirrung, wenn sie sich des Körpers bedient, um irgendein Objekt zu betrachten; sie wird schwindelig, als wäre sie betrunken, weil sie sich an Dinge bindet, die entsprechend ihrer Natur Veränderungen unterworfen sind. Wendet sie sich stattdessen, ihr eigenes Wesen betrachtend, dem zu, was rein, ewig und unsterblich ist, bleibt sie so lange wie möglich daran gebunden, da sie gleicher Art ist. Die Verwirrungen hören dann auf, weil sie mit dem was unveränderlich ist verbunden ist, und jener Zustand der Seele ist der, den wir Weisheit nennen.

So täuscht sich der Mensch, der die Dinge von unten, aus der alltäglichen Art und Weise, vom materiellen Gesichtspunkt aus betrachtet. Um sie richtig einzuschätzen, ist es notwendig, sie von einem höheren, d.h. aus dem spirituellen Gesichtspunkt zu sehen. Der echte Gelehrte muss folglich auf irgendeine Art und Weise die Seele vom Körper isolieren, um mit den Augen des Geistes zu sehen. Das ist das, was der Spiritismus lehrt. (Kap. 2; Nr. 5)

III. Solange wir unseren Körper haben und die Seele in jene Verderbtheit eingetaucht ist, werden wir niemals das Objekt unserer Wünsche besitzen: die Wahrheit. Der Körper ruft nämlich tausend Hindernisse hervor, aus der Notwendigkeit heraus, für ihn zu sorgen; zudem erfüllt er uns mit Wünschen, Begierden, Ängsten, mit tausend Hirngespinsten und tausend Dummheiten, sodass es uns mit ihm unmöglich ist, einen Augenblick vernünftig zu sein. Wenn es aber nicht möglich ist, irgendetwas ganz rein zu erkennen, während die Seele mit dem Körper vereinigt ist, ist eins dieser Dinge unvermeidlich: Entweder wird man niemals die Wahrheit kennen lernen oder man lernt sie erst nach dem Tod kennen. Befreit von der Torheit des Körpers, unterhalten wir uns dann mit Menschen - und es ist zu hoffen - die ebenfalls frei sind, und wir werden durch uns selbst das Wesen der Dinge erkennen. Deshalb bereiten sich die wahren Philosophen auf das Sterben vor, und der Tod erscheint ihnen keineswegs furchterregend. („Himmel und Hölle“, erster Teil, Kap. 7; und zweiter Teil, Kap. 1)

Hier haben wir das Prinzip der Fähigkeiten der Seele, durch die körperlichen Organe verdunkelt, und die Ausdehnung dieser Fähigkeiten nach dem Tod. Es handelt sich hier aber nur um entwickelte Seelen, die bereits gereinigt sind; mit den unreinen Seelen geschieht nicht dasselbe.

IV. Die unreine Seele ist in diesem Zustand bedrückt und wieder in die sichtbare Welt mitgerissen durch das Grauen vor dem, was unsichtbar und immateriell ist. Sie irrt dann umher, sagt man, um die Denkmäler und Grabmäler herum, bei denen manchmal finstere Gespenster gesehen worden sind, welche die Ebenbilder der Seelen sein sollen, die den Körper verlassen haben, ohne vollständig rein zu sein, und die etwas von der materiellen Form beibehalten, sodass es unseren Augen möglich ist, sie wahrzunehmen. Diese sind nicht die Seelen der Guten, sondern die der Bösen, die gezwungen sind, an diesen Orten umherzuirren, wo sie die Leiden ihres vergangenen Lebens mit sich tragen, und wo sie weiter umherwandern, bis die Begierden, denen sie sich hingegeben haben und die der materiellen Form innewohnen, sie in einen Körper zurückführen; sie nehmen dann zweifellos die Angewohnheiten wieder an, die sie während des früheren Lebens bevorzugten.

Nicht nur der Grundsatz der Reinkarnation wird hier deutlich zum Ausdruck gebracht, sondern auch der Zustand der Seelen ist beschrieben, die immer noch unter der Macht der Materie stehen, wie der Spiritismus ihn in den Beschwörungen veranschaulicht. Und zudem wird noch gesagt, dass die Reinkarnation eine Folge der Unreinheit der Seele ist, während die reinen Seelen von ihr befreit sind. Der Spiritismus sagt nichts anderes, er ergänzt nur, dass die Seele, die in der Erratizität gute Entschlüsse gefasst hat und über gewonnene Erkenntnisse verfügt, bei der Wiedergeburt weniger Fehler, mehr Tugenden und mehr intuitive Gedanken mitbringen wird, als die, die sie in der früheren Existenz hatte, und dass daher jede Existenz für sie einen intellektuellen und moralischen Fortschritt verzeichnet. („Himmel und Hölle“, zweiter Teil: Beispiele)

V. Nach unserem Tod bringt uns der Genius (daimon, Dämon), der uns während des Lebens zugeteilt wurde, an einen Ort, wo alle zusammenkommen, die in den Hades geführt werden sollen, um dort verurteilt zu werden. Nachdem die Seelen im Hades die nötige Zeit verweilt haben, werden sie zu diesem Leben für zahlreiche und lange Perioden zurückgeführt.

Dies ist die Lehre der Schutzengel oder der Schutzgeister und von den aufeinander folgenden Reinkarnationen nach mehr oder weniger langen Abständen in der Erratizität.

VI. Die Dämonen füllen den Raum aus, der den Himmel von der Erde trennt: Sie sind das Band, das das überaus Große mit sich selbst verbindet. Da die Göttlichkeit niemals in direkte Verbindung mit dem Menschen tritt, geschieht es mit Hilfe der Dämonen, dass die Götter mit ihm handeln und sich mit ihm unterhalten, entweder während des Zustandes des Wachseins oder während des Schlafes.

Das Wort daimon, aus dem man Dämon gemacht hat, wurde in der Antike nicht im bösen Sinn benutzt wie in der modernen Zeit. Dieses Wort bezeichnet nicht ausschließlich die Bösartigen, sondern alle Geister im allgemeinen, bei denen man die höheren Geister, auch Götter genannt, und die weniger erhabenen Geister, sozusagen die Dämonen, unterschied, die direkt mit den Menschen kommunizierten. Der Spiritismus lehrt ebenfalls, dass die Geister den Weltraum besiedeln; dass Gott nur mittels der reinen Geister mit den Menschen kommuniziert, die beauftragt sind, ihnen SEINEN Willen zu übermitteln; dass die Geister mit ihnen - während des Zustandes des Wachseins und während des Schlafes - in Verbindung treten. Ersetze das Wort Dämon durch das Wort Geist, und du wirst die spiritistische Lehre haben; setze das Wort Engel ein, und du wirst die christliche Lehre haben.

VII. Die ständige Besorgnis der Philosophen (so wie Sokrates und Platon sie verstehen) ist, sich um die Seele zu kümmern, weniger hinsichtlich dieses Lebens, das nur ein Augenblick ist, als im Hinblick auf die Ewigkeit. Wenn die Seele unsterblich ist, ist es dann nicht klug, im Hinblick auf die Ewigkeit zu leben?
Das Christentum und der Spiritismus lehren das Gleiche.

VIII. Wenn die Seele immateriell ist, muss sie nach diesem Leben in eine gleiche unsichtbare und immaterielle Welt hinübergehen, ebenso wie der Körper während seiner Zersetzung in die Materie zurückkehrt. Es ist daher wichtig, die reine Seele, die wahrhaft immateriell ist, die sich wie Gott von der Wissenschaft und von den Gedanken ernährt, gut zu unterscheiden, von der Seele die mehr oder weniger von den materiellen Unreinheiten befleckt ist, die sie hindern, sich zum Göttlichen emporzuheben, und die sie an den Orten ihres Aufenthalts auf der Erde zurückhalten.

Wie man sieht, verstanden Sokrates und Platon vollkommen die verschiedenen Stufen der Dematerialisierung der Seele. Sie bestehen auf dem Unterschied der Situation, die für die Seelen aus ihrer größeren oder geringeren Reinheit hervorgeht. Was sie aus Intuition sagten, beweist der Spiritismus, mit seinen zahlreichen Beispielen, die er uns vor Augen führt. („Himmel und Hölle“, zweiter Teil)

IX. Wenn der Tod die totale Auflösung des Menschen wäre, würden die Bösen nach ihrem Tod viel gewinnen, denn sie würden gleichzeitig von Körper, Seele und Fehlern frei sein. Derjenige, der seine Seele nicht mit fremdem Schmuck versieht, sondern mit dem ihm eigenen, nur derjenige wird in Ruhe die Stunde seines Übergangs in die andere Welt erwarten können.

Anders gesagt heißt es, dass der Materialismus, der das Nichts nach dem Tod verkündigt, die Aufhebung von der ganzen späteren moralischen Verantwortung wäre, und folglich ein Anreiz zum Bösen: dass der Bösewicht in dem Nichts alles zu gewinnen hat; dass der Mensch, der sich von seinen Fehlern befreit, und sich an Tugenden bereichert hat, der einzige ist, der unbesorgt das Erwachen in dem anderen Leben erwarten kann. Der Spiritismus zeigt uns durch Beispiele, die er uns täglich vor Augen führt, wie schmerzlich die Durchreise für einen Bösewicht von einem zum anderen Leben ist, ebenso der Eintritt in das zukünftige Leben. („Himmel und Hölle“, zweiter Teil, Kap. 1)

X. Der Körper behält die gut gezeichneten Spuren der Sorgfalt bei, mit der man sich um ihn gekümmert hat, oder der Unglücke, die er erlitten hat. Dasselbe geschieht mit der Seele. Wenn sie vom Körper befreit ist, trägt sie die deutlichen Züge ihres Charakters, ihrer Gefühle und die Spuren, die jede ihrer Taten auf ihr hinterlassen haben. Daher ist das größte Unglück, das einem Menschen passieren kann, in die andere Welt mit einer mit Schulden beladenen Seele zu gehen. Du siehst Calliclès, dass weder du noch Polus noch Gorgjas beweisen könnt, dass man ein anderes Leben führen sollte, das uns dann nützlicher ist, wenn wir drüben sind. Aus so vielen verschiedenen Meinungen ist die einzige, die unerschütterlich bleibt, die, dass es besser ist, eine Ungerechtigkeit zugefügt zu bekommen, als sie zu begehen, und dass wir vor allem uns befleißigen müssen, nicht nur den Anschein eines Ehrenmenschen zu geben, sondern einer zu sein. (Sokrates im Dialog mit seinen Schülern im Gefängnis)

Hier finden wir einen anderen wesentlichen Punkt wieder, der heute durch die Erfahrung bestätigt ist, dass die unreine Seele die Gedanken, die Neigungen, den Charakter und die Leidenschaften beibehält, die sie auf der Erde hatte. Dieser Grundsatz: Es ist besser eine Ungerechtigkeit zugefügt zu bekommen, als sie zu begehen, ist er nicht völlig christlich? Es ist der gleiche Gedanke, den Jesus mit diesem Beispiel zum Ausdruck brachte: „Wenn dich einer auf die rechte Wange schlägt, dann halte ihm auch die andere hin“. (Matthäus, Kap. XII, 38-42 und Nr. 7-8)

XI. Es gibt nur zwei Möglichkeiten: Entweder ist der Tod die absolute Vernichtung oder er ist der Übergang einer Seele zu einem anderen Ort. Wenn alles zu Ende sein soll, ist der Tod wie eine dieser seltenen Nächte, die wir ohne zu träumen und ohne irgendwelches Bewusstsein von uns selbst verbringen. Wenn der Tod aber lediglich nur eine Veränderung des Aufenthaltsortes ist, der Übergang zu einem Ort, wo die Toten sich treffen; welches Glück wird man empfinden, dort diejenigen wiederzutreffen, die man gekannt hat! Meine größte Freude wäre es, aus der Nähe die Bewohner dieses Aufenthalts zu beobachten und dort wie hier diejenigen, die weise sind, von denjenigen zu unterscheiden, die meinen es zu sein, aber doch nicht sind. Aber es ist nun an der Zeit, uns zu trennen, ich, um zu sterben, und ihr, um zu leben. (Sokrates an seine Richter)

Laut Sokrates treffen sich die Menschen, die auf der Erde gelebt haben, nach dem Tod wieder und sie erkennen sich. Der Spiritismus zeigt uns, dass die Beziehungen unter ihnen auf eine Art und Weise weiter bestehen, und dass der Tod weder eine Unterbrechung noch eine Beendigung, sondern eine Veränderung des weiterbestehenden Lebens ist. In diesen gibt es nichts, das uns überraschen sollte, wenn wir bedenken, dass die großen Wahrheiten ewig sind, und dass die fortgeschrittenen Geister diese bereits gekannt haben müssen, bevor sie auf die Erde kamen, wohin sie sie mitgebracht haben. Wenn wir noch in Betracht ziehen, dass Sokrates, Platon und die großen Philosophen ihrer Zeit später unter denjenigen gewesen sein könnten, die Christus in seiner göttlichen Mission unterstützten, sozusagen auserwählt, weil sie fähiger als andere waren, seine erhabenen Lehren zu verstehen. Und dass sie schließlich heute zu den großen Scharen der beauftragten Geister gehören können, die den Menschen die gleichen Wahrheiten lehren. XII. Man soll niemals Ungerechtigkeit mit Ungerechtigkeit vergelten noch jemandem Leid zufügen, egal welches Unrecht uns zugefügt wurde. Aber nur wenige Menschen nehmen diesen Grundsatz an, und die, die geteilter Meinung darüber sind, sollten sich gegenseitig nur mit Verachtung strafen. Ist dieser nicht der Grundsatz der Nächstenliebe, der uns lehrt, nicht das Böse mit dem Bösen zu vergelten und unseren Feinden zu vergeben? XIII. An den Früchten erkennt man den Baum. Man muss jede Tat qualifizieren, gemäß dem, was sie hervorbringt: Sie böse nennen, wenn daraus Böses hervorgeht, und gut, wenn sie das Gute hervorbringt. Diesen Grundsatz: „An den Früchten erkennt man den Baum“, findet man mehrmals wörtlich im Evangelium. XIV. Der Reichtum ist eine große Gefahr. Jeder Mensch, der seinen Reichtum liebt, liebt weder sich noch das, was sein ist, sondern eine Sache, die ihm noch fremder ist, als das, was ihm gehört. (Kap. 16) XV. Die schönsten Gebete und die schönsten Opfer gefallen der Gottheit weniger, als eine tugendhafte Seele, die sich bemüht, ihr zu ähneln. Es wäre gefährlich, wenn die Götter sich mehr für

Wenn Sokrates und Platon die Lehren gekannt hätten, die Christus fünfhundert Jahre später verbreitet hat, und die, die die Geister uns heute geben, so hätten sie nicht anders gesprochen.

In diesen gibt es nichts, das uns überraschen sollte, wenn wir bedenken, dass die großen Wahrheiten ewig sind, und dass die fortgeschrittenen Geister diese bereits gekannt haben müssen, bevor sie auf die Erde kamen, wohin sie sie mitgebracht haben. Wenn wir noch in Betracht ziehen, dass Sokrates, Platon und die großen Philosophen ihrer Zeit später unter denjenigen gewesen sein könnten, die Christus in seiner göttlichen Mission unterstützten, sozusagen auserwählt, weil sie fähiger als andere waren, seine erhabenen Lehren zu verstehen. Und dass sie schließlich heute zu den großen Scharen der beauftragten Geister gehören können, die den Menschen die gleichen Wahrheiten lehren.

XII. Man soll niemals Ungerechtigkeit mit Ungerechtigkeit vergelten noch jemandem Leid zufügen, egal welches Unrecht uns zugefügt wurde. Aber nur wenige Menschen nehmen diesen Grundsatz an, und die, die geteilter Meinung darüber sind, sollten sich gegenseitig nur mit Verachtung strafen. Ist dieser nicht der Grundsatz der Nächstenliebe, der uns lehrt, nicht das Böse mit dem Bösen zu vergelten und unseren Feinden zu vergeben?

XIII. An den Früchten erkennt man den Baum. Man muss jede Tat qualifizieren, gemäß dem, was sie hervorbringt: Sie böse nennen, wenn daraus Böses hervorgeht, und gut, wenn sie das Gute hervorbringt. Diesen Grundsatz: „An den Früchten erkennt man den Baum“, findet man mehrmals wörtlich im Evangelium.

XIV. Der Reichtum ist eine große Gefahr. Jeder Mensch, der seinen Reichtum liebt, liebt weder sich noch das, was sein ist, sondern eine Sache, die ihm noch fremder ist, als das, was ihm gehört. (Kap. 16)

XV. Die schönsten Gebete und die schönsten Opfer gefallen der Gottheit weniger, als eine tugendhafte Seele, die sich bemüht, ihr zu ähneln. Es wäre gefährlich, wenn die Götter sich mehr für unsere Opfergaben als für unsere Seelen interessieren würden. Auf diese Art und Weise könnten die Schuldigsten ihre Gunst erobern. Aber nein, wirklich Weise und Gerechte sind nur die, die durch ihre Worte und Taten ihre Pflicht erfüllen, die sie den Göttern und den Menschen schulden. (Kap. X; Nr. 7 und 8)

XVI. Ich nenne fehlerhafte Menschen jene ordinären Liebhaber, die den Körper mehr lieben als die Seele. Die Liebe ist überall in der Natur, die uns anregt, unsere Intelligenz auszuüben; wir treffen sie sogar in der Bewegung der Gestirne. Es ist die Liebe, die die Natur mit ihren reichen Teppichen verziert; sie schmückt sich und lässt sich dort nieder, wo sie Blumen und Düfte findet. Es ist schließlich die Liebe, die den Menschen den Frieden bringt, dem Meer die Windstille, den Winden die Ruhe und dem Schmerz den Schlaf.

Die Liebe, die die Menschen durch ein Band der Brüderlichkeit vereinigen soll, ist eine Folge dieser Theorie von Platon über die universelle Liebe, als Naturgesetz. Sokrates hat gesagt, dass „die Liebe weder ein Gott noch ein Sterblicher ist, sondern ein großer Dämon“, d.h. ein mächtiger Geist, der die universelle Liebe leitet. Vor allem diese Behauptung wurde ihm als Verbrechen angelastet.

XVII. Die Tugend kann nicht gelehrt werden; sie kommt durch eine Gabe Gottes zu denjenigen, die sie besitzen.

Es ist ungefähr die christliche Lehre über die Gnade; wenn aber die Tugend eine Gabe Gottes ist, ist sie eine Gunst, und man kann fragen, warum sie nicht allen gewährt wird; auf der anderen Seite, wenn sie eine Gabe ist, ist sie ohne Verdienst seitens desjenigen, der sie besitzt. Der Spiritismus drückt es deutlicher aus; er lehrt, dass derjenige, der die Tugend besitzt, sie durch seine Anstrengungen in den aufeinander folgenden Existenzen erworben hat, indem er sich nach und nach von seinen Unvollkommenheiten befreit hat. Die Gnade ist die Kraft, die Gott jedem Menschen guten Willens gewährt, um sich vom Bösen zu befreien und das Gute zu tun.

XVIII. Es ist eine natürliche Veranlagung eines jeden von uns, weniger gut unsere eigenen Fehler zu bemerken, als die der anderen. Das Evangelium sagt: „Ihr seht den Splitter im Auge eures Bruders, aber den Balken in eurem Auge bemerkt ihr nicht.“ (Kap. 10; 9, 10)

XIX. Wenn die Ärzte an den meisten Krankheiten scheitern, geschieht das, weil sie den Körper ohne die Seele behandeln, und wenn das Ganze sich nicht im guten Zustand befindet, ist es unmöglich, dass ein Teil von ihm gesund ist.

Der Spiritismus gibt den Schlüssel der Beziehungen, die zwischen Seele und Körper existieren, und beweist, dass es eine unaufhörliche Reaktion von einem auf den anderen gibt. Er öffnet so einen neuen Weg für die Wissenschaft und indem er ihr die wahre Ursache von gewissen Leiden zeigt, gibt er ihr auch die Mittel, sie zu bekämpfen. Wenn die Wissenschaft die Wirkung des geistigen Elements berücksichtigen würde, würde sie weniger scheitern.

XX. Alle Menschen, von der Kindheit angefangen, tun mehr Böses als Gutes. Diese Worte von Sokrates berühren das gravierende Problem der Vorherrschaft des Bösen auf Erden, eine unlösbare Frage ohne die Kenntnis der Pluralität der Welten und der Bestimmung der Erde, auf der sich nur ein kleiner Bruchteil der Menschheit befindet. Nur der Spiritismus gibt die Lösung dafür, die in den folgenden Kapiteln 2, 3 und 5 ausführlich dargelegt ist.

XXI. Die Weisheit liegt darin, daran nicht zu glauben, dass du das weißt, was du doch nicht weißt.

Dieses ist an die Menschen gerichtet, die die Sachen kritisieren, von denen sie oft nicht einmal das erste Wort kennen. Platon vervollständigt diesen Gedanken von Sokrates, wenn er sagt: „Versuchen wir zuerst, wenn möglich, in den Worten ehrlicher zu werden; wenn nicht, kümmern wir uns dann nicht um sie und suchen nur nach der Wahrheit. Bemühen wir uns zu bilden, aber beleidigen wir einander nicht.“ So sollen die Spiritisten handeln hinsichtlich ihrer Widersacher, seien sie gutartig oder böswillig. Wenn Platon heute noch einmal lebte, würde er die Sache mehr oder weniger wie zu seiner Zeit finden, und er würde die gleiche Sprache benutzen. Sokrates würde ebenfalls Menschen finden, die seinen Glauben an die Geister verspotten, und ihn wie einen Verrückten behandeln würden, so wie auch seinen Schüler Platon.

Weil er diese Grundsätze gelehrt hat, wurde Sokrates zuerst lächerlich gemacht, dann der Herzlosigkeit beschuldigt und dazu verurteilt, den Schierlingsbecher zu trinken. Daher ist es richtig, dass die großen neuen Wahrheiten – weil sie die Interessen und Vorurteile gegen sich aufbringen, die durch sie verletzt werden – nicht anerkannt werden können, ohne Kämpfe und ohne Märtyrer zu machen.

Anmerkung der Übersetzerin: Die Übersetzungen der Bibeltexte sind wortwörtlich nach den Angaben von Allan Kardec erfolgt und nicht irgendeiner Bibelübersetzung entnommen.